Hamburger Abendblatt
Erschienen am: 11.04.2006

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Erst geehrt - jetzt droht ihr die Ausweisung

Migranten: Streit um Yesim (13). Die Mutter hat keine Aufenthaltsgenehmigung. Deshalb müßten beide in die Türkei. Jetzt kämpfen Freunde und Betreuer für die Familie.

Von Diana Zinkler

Das Leben der Schülerin Yesim K. (13) steht auf dem Kopf. Noch in der vergangenen Woche wurde sie als Sängerin des Musikschulprojekts "Jamliner" von 250 Gästen in der Handelskammer gefeiert, und am Freitag erhielt ihre Band im Hamburger Rathaus sogar den Peter-von-Zahn-Gedächtnispreis. Trotzdem droht ihr jetzt die Abschiebung. Ihre Schule, Freunde und ihre Betreuer von der Musikschule kämpfen nun dafür, daß sie bleiben kann.

Yesim K. ist in der Türkei geboren und in Hamburg aufgewachsen. Jörg-Martin Wagner (40) vom staatlichen Musikschulprojekt "Jamliner" hat für sie einen Brief verfaßt: "Ganz besonders hervorzuheben ist aber ihr soziales Engagement als Teamplayer in ihrer Klasse, ihrer Band und ihrem Freundeskreis, in dem sich Jugendliche deutscher und nicht-deutscher Herkunft versammeln." Was sich liest wie ein Fall von gelungener Integration, ist ein Bittschreiben an den Petitionsausschuß der Hamburger Bürgerschaft.

"Juristisch gesehen ist die Ausweisung berechtigt", sagt ihr Rechtsanwalt Michael Spielhoff (58). Die Situation scheint ausweglos, weil sich Yesims Mutter zusammen mit ihrem Kind 13 Jahre lang illegal in Hamburg aufgehalten hat. Das Ganze ist am vergangenen Dienstag aufgeflogen, als die Polizei einem anonymen Hinweis folgte und der Familie morgens um acht einen Kontrollbesuch abstattete. Yesim und ihre Mutter hielten sich zu der Zeit bei der Großmutter auf, die aber eine Aufenthaltsgenehmigung hat. "Das ist ein typischer Fall von Familiennachzug, der aber zur Mutter, beziehungsweise zur Großmutter, nicht rechtens ist. Deswegen hat Yesims Mutter sich auch nicht angemeldet, weil sie wußte, daß ihr Aufenthalt nicht geduldet würde", sagt Norbert Smekal (52), Sprecher der Ausländerbehörde.

Yesims Mutter mußte am Dienstag mit zur Polizei, von der Ausländerbehörde erhielt sie noch am selben Tag einen Ausweisungsbescheid. Gegen den ihr Anwalt Widerspruch eingelegt hat. Weil Yesim minderjährig ist, müßte sie mit ihrer Mutter ausreisen.

Während ihre Mutter am Dienstag von der Polizei vernommen wurde, durfte Yesim zur Schule gehen. "Dort kam sie aufgelöst und weinend an", erinnert sich Axel Wiest (54), Sozialpädagoge der Ganztagsschule St. Pauli. Yesim ist Klassensprecherin, spricht fließend Deutsch, besser als türkisch. Sie fragt sich: "Was soll ich in der Türkei? Alle meine Freunde sind hier, und ich bin in Deutschland aufgewachsen."

erschienen am 11. April 2006