Hamburger Abendblatt
Erschienen am: 12.04.2006

Original lesen



Hoffnung für Yesim

Die Abschiebung der 13jährigen Yesim Karakadioglu und ihrer Mutter scheint fürs erste abgewendet.

Innensenator Udo Nagel (parteilos) ordnete gestern an, daß die Ausländerbehörde ihren Fall noch einmal prüfen müsse. Gegenüber der Behörde hatte die Mutter angegeben, sie und ihre Tochter seien erst seit fünf Jahren in Hamburg. "Es gibt aber Anzeichen dafür, daß sie bereits seit 13 Jahren in Hamburg sind. Das würde ihren Fall verändern", sagte Norbert Smekal (52), Sprecher der Ausländerbehörde.

Das Mädchen wurde erst vor ein paar Tagen als Sängerin des Bandprojekts "Jamliner" im Hamburger Rathaus mit dem Peter-von-Zahn-Gedächtnispreis 2005 ausgezeichnet. Sie geht in eine sechste Klasse der Ganztagsschule St. Pauli. Nach ihren eigenen Angaben ist sie bereits als Baby mit ihrer Mutter nach Hamburg gekommen. Sie lebten in der Familie ihrer Großmutter und ihres Onkels, allerdings ohne eine Aufenthaltsgenehmigung - das wurde bei einer Kontrolle am vergangenen Dienstag aufgedeckt. Die Gefühle des Mädchens schwanken seither zwischen Wut, Traurigkeit und Erleichterung: "Sie sagte gestern, sie sei froh, daß nun zumindest die Zeit der Heimlichkeit und Illegalität vorbei sei", sagte Jörg-Martin Wagner (40) vom Musikprojekt "Jamliner".

Mit Plakaten "Yesim muß bleiben" und "Laßt Yesim in Ruhe" demonstrierten gestern um die Mittagszeit etwa 100 Mitschüler und Lehrer vor dem Rathaus für ein Bleiberecht der Schülerin. Sie überreichten Bürgerschaftspräsident Berndt Röder (58) eine Liste mit rund 450 Unterschriften und eine Petition für den Eingabenausschuß der Bürgerschaft. Auch Röder setzt sich nun für eine "schnelle und akzeptable Lösung" ein. "Yesim soll nicht unter einem Fehlverhalten ihrer Mutter leiden", so Röder.

Auch der Vorsitzende des Eingabenausschusses Wolfhard Ploog (64, CDU) forderte eine erneute Prüfung ihres Falls. Ebenso die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Aydan Özoguz: "Das deutsche Rechtssystem bestraft ein Kind, das die allgemeine Forderung nach Integration offenbar in vorbildlicher Weise umgesetzt hat."

diz
erschienen am 12. April 2006